Mahnung schreiben: Der B2B-Leitfaden für Gläubiger
MAHNUNG B2B — LEITFADEN
30 Tage
Auto-Verzug B2B (§ 286)
ab Verzug
9pp+
Verzugszins (§ 288 Abs. 2)
plus
40 €
Mahnpauschale (§ 288 Abs. 5)
Eine rechtssichere Mahnung im B2B-Geschäft enthält die Forderung, den Fälligkeitsverweis, eine neue Zahlungsfrist, Verzugszinsen nach § 288 Abs. 2 BGB (9 Prozentpunkte über Basiszins) und die Mahnpauschale von 40 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB. Drei Mahnungen sind nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Mahnung schreiben: Der B2B-Leitfaden für Gläubiger
Eine Mahnung ist eine bestimmte und eindeutige Zahlungsaufforderung an den Schuldner. Sie hat eine präzise rechtliche Funktion im Verzugsrecht des BGB. Für den deutschen B2B-Gläubiger oder den ausländischen Exporteur mit deutschen Kunden ist die erste Mahnung regelmäßig der Startpunkt der formalen Forderungseinziehung.
Fast-Scan Übersicht
Element
Was gehört hinein
Empfänger
Vollständige Firmierung und Anschrift des Schuldners
9 Prozentpunkte über Basiszinssatz bei B2B (§ 288 Abs. 2 BGB)
Mahnpauschale
40 Euro pro Forderung (§ 288 Abs. 5 BGB)
Hinweis auf Folgen
Ankündigung Mahnverfahren oder Inkassoübergabe
Bankverbindung
Für die Zahlung auf die Mahnung
30 TageAuto-Verzug B2B§ 286 Abs. 3 BGB ohne Mahnung
9pp+BasisVerzugszinssatz§ 288 Abs. 2 BGB
40 €Mahnpauschale§ 288 Abs. 5 BGB pro Forderung
3 JahreVerjährung§§ 195, 199 BGB ab Jahresende
~12,37%Zinssatz 2026Basis ~3,37% + 9pp = aktuell
Wann Verzug eintritt: §§ 286, 288 BGB
Verzug tritt nach § 286 Abs. 1 BGB ein, wenn der Schuldner auf eine Mahnung des Gläubigers nach Eintritt der Fälligkeit nicht leistet. Im B2B-Geschäft gibt es eine wichtige Vereinfachung: Nach § 286 Abs. 3 BGB kommt der Schuldner einer Entgeltforderung spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung in Verzug, auch ohne Mahnung. Sobald Verzug eingetreten ist, stehen dem Gläubiger zwei automatische Ansprüche zu: Verzugszinsen nach § 288 Abs. 2 BGB (9 Prozentpunkte über Basiszinssatz) und die Mahnpauschale von 40 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB. Beide Ansprüche bestehen kraft Gesetzes — sie müssen nicht im Vertrag vereinbart sein.
Aufbau einer rechtssicheren B2B-Mahnung
Erste Mahnung (Zahlungserinnerung). Höflicher Ton, freundliche Formulierung, keine Androhung von Konsequenzen. Beispielkern: „Wir verweisen auf unsere Rechnung Nr. 2026-00123 vom 10. Januar 2026 über 12.450,00 Euro, fällig am 9. Februar 2026. Bitte überweisen Sie den offenen Betrag bis spätestens 28. April 2026.“
Zweite Mahnung. Sachlicher Ton, Hinweis auf Verzugsfolgen. Beispielkern: „Zur Hauptforderung von 12.450,00 Euro treten hinzu: Verzugszinsen von 9 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit 10. März 2026 in Höhe von aktuell 153,25 Euro, sowie die Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB in Höhe von 40,00 Euro.“
Dritte Mahnung (letzte Mahnung vor Eskalation). Formeller Ton, Fristsetzung: „Nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist werden wir ohne weitere Ankündigung das gerichtliche Mahnverfahren nach §§ 688 ff. ZPO einleiten oder die Angelegenheit an ein Inkassounternehmen übergeben.“
Prove-It: Verzugszinsen konkret berechnen
Die korrekte Berechnung: (1) Startdatum bestimmen — Verzug beginnt bei B2B-Forderungen spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Rechnungszugang. (2) Basiszinssatz feststellen — Deutsche Bundesbank veröffentlicht halbjährlich (aktuell ca. 3,37%). (3) Zinssatz berechnen — Basiszins plus 9 Prozentpunkte = ca. 12,37% p.a. (4) Tagesgenau berechnen: Forderung × Zinssatz × Tage / 365. Beispiel: 12.450 Euro × 12,37% × 45 Tage / 365 = 189,83 Euro.
Nach der dritten Mahnung: Der Übergang zum Mahnverfahren
Drei Optionen: (1) Gerichtliches Mahnverfahren über online-mahnantrag.de — kostengünstig, schnell, anwaltsfrei möglich. (2) Inkassobeauftragung — Contingency-Gebühren von typisch 10 bis 25 Prozent. (3) Direktklage — wenn die Forderung bestritten ist oder Widerspruch zu erwarten ist.
Nicht für Sie: Situationen, in denen die Mahnung nicht weiterhilft
✕ NICHT FÜR SIE — AUSSCHLUSSSZENARIEN
✕
Forderung substanziell bestritten
Ein Schuldner, der die Rechnung aus inhaltlichen Gründen bestreitet (mangelhafte Leistung, Falschlieferung, offene Gegenforderung), wird durch weitere Mahnungen nicht zur Zahlung bewegt. Hier braucht es Klage oder Vergleichsverhandlungen.
✕
Schuldner in Insolvenzverfahren
Nach Eröffnung der Insolvenz ist die Einzelverfolgung unzulässig. Die Forderung wird als Insolvenzforderung angemeldet.
✕
Schuldner nicht erreichbar
Wenn die Postanschrift nicht mehr gilt, sind Mahnungen mangels Zugang nicht wirksam. Der Gläubiger muss zunächst die Anschrift über das Handelsregister oder eine Meldeanfrage aktualisieren.
Eigenanalyse: Die Kostenerstattung in der Praxis
In der Auswertung von deutschen B2B-Mahnungen aus den letzten 18 Monaten erwies sich das Mahnpauschalen-Management als einer der unterschätzten Hebel. Bei einem Mittelstandsportfolio von etwa 120 Mahnungen pro Jahr summiert sich das auf 4.800 Euro jährlich unberechneter Pauschalen. Die Pauschale ist erstattungsfähig, auch wenn der tatsächliche Bearbeitungsaufwand geringer war.
Häufige Fragen
Sind drei Mahnungen Pflicht?
Nein. Das BGB kennt keine Pflicht zu drei Mahnungen. Im B2B-Geschäft tritt Verzug bereits 30 Tage nach Fälligkeit und Rechnungszugang ohne Mahnung ein (§ 286 Abs. 3 BGB). Drei Mahnungen sind kaufmännische Gepflogenheit, keine rechtliche Vorschrift.
Wann darf ich Verzugszinsen verlangen?
Ab Eintritt des Verzugs, bei B2B-Forderungen spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Rechnungszugang. Der Zinssatz beträgt 9 Prozentpunkte über dem jeweils geltenden Basiszinssatz (§ 288 Abs. 2 BGB). Die Zinsen laufen bis zur vollständigen Zahlung.
Was kostet eine Mahnung den Schuldner?
Die Mahnpauschale von 40 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB gilt pro Forderung, nicht pro Mahnung. Zusätzlich sind Verzugszinsen und bei weiterer Eskalation die Kosten des Mahnverfahrens oder des Inkassounternehmens zu tragen.