Forderung verkaufen: Optionen, Preise und bilanzielle Wirkung
FORDERUNGSVERKAUF — OPTIONEN
Factoring
Laufende Abtretung
oder
Forfait
Einzelne Exportforderung
oder
Inkasso
Notleidende Forderungen
Der Verkauf von Forderungen an einen Dritten erfolgt über drei Hauptinstrumente: Factoring (laufende Abtretung, Finanzierungszweck), Forfaitierung (einzelne langfristige Forderungen, typisch Export), und Forderungskauf durch Inkassodienstleister (Verkauf notleidender Forderungen). Jede Variante hat eigene Preisstrukturen und bilanzielle Konsequenzen.
Forderung verkaufen: Optionen, Preise und bilanzielle Wirkung
Für einen B2B-Gläubiger stellt sich die Frage nach dem Forderungsverkauf in zwei Konstellationen: zur Liquiditätssteuerung (Factoring, Forfaitierung), wenn die Forderung noch gesund ist, oder zur Schadensbegrenzung (Forderungskauf durch Inkassounternehmen), wenn die Forderung notleidend ist.
Fast-Scan Übersicht: Drei Instrumente im Vergleich
Instrument
Anwendungsfall
Typischer Preis
Bilanzwirkung
Echtes Factoring
Laufende B2B-Forderungen, Finanzierungszweck
0,5–3% Diskont p.a. + Provision
Ausgebucht (bei echter Risikoabtretung)
Unechtes Factoring
Wie echtes Factoring, aber Ausfallrisiko beim Zedenten
Ähnlich echtes Factoring, geringer Abschlag
Verbleibt als Verbindlichkeit in der Bilanz
Forfaitierung
Einzelne Exportforderungen, mittel-/langfristig
Diskont auf Barwert der Forderung
Ausgebucht
Forderungskauf (Inkasso)
Notleidende B2B-Forderungen, Abverkauf
20–60% Abschlag auf Nennwert
Verlust entspricht Abschlag
0,5–3%Factoring-DiskontP.a. auf ausstehende Forderungen
Factoring: Laufende Finanzierung des Umlaufvermögens
Beim Factoring tritt der Gläubiger (Anschlusskunde) seine Forderungen gegen seine Kunden (Debitoren) laufend an eine Factoringgesellschaft (Factor) ab. Der Factor zahlt sofort einen Vorschuss (typisch 80–90% des Bruttoforderungsbetrags); den Rest überweist er nach Zahlungseingang des Debitors, abzüglich der Factoringprovision und des Diskontzinses. Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Ausfallrisiko (Delkredere). Beim unechten Factoring bleibt das Ausfallrisiko beim Anschlusskunden.
Bilanziell ist das echte Factoring relevant, weil die abgetretenen Forderungen aus der Bilanz des Anschlusskunden ausgebucht werden können — sofern die wirtschaftlichen Risiken und Chancen tatsächlich auf den Factor übergegangen sind (IAS 39 / IFRS 9 für IFRS-Bilanzierer; HGB § 252 für HGB-Bilanzierer). Das verbessert die Eigenkapitalquote und reduziert die Bilanzsumme.
Forfaitierung: Einzelforderungen im Exportgeschäft
Die Forfaitierung ist der einmalige, regresslose Verkauf einer einzelnen, mittel- oder langfristigen Forderung (typisch 6 Monate bis 10 Jahre Laufzeit) an einen Forfaiteur. Das Instrument ist im Exportgeschäft verbreitet: Ein Maschinenbauer, der einem tunesischen Käufer eine Anlage auf Ziel verkauft hat, kann die Forderung sofort an einen Forfaiteur verkaufen und hat damit kein Länder- und Ausfallrisiko mehr. Der Forfaiteur diskontiert die Forderung auf ihren Barwert abzüglich einer Risikopramie.
Forderungskauf durch Inkassodienstleister: Abverkauf notleidender Positionen
Wenn eine B2B-Forderung die interne Eskalation und den außergerichtlichen Einzug nicht überlebt hat und zur Abschreibung droht, kann der Gläubiger die Forderung an einen professionellen Forderungskäufer verkaufen. Der Käufer zahlt einen Preis deutlich unter Nennwert (typisch 20–60% für B2B-Forderungen mit guter Dokumentation; weniger für alt betagte oder schlecht dokumentierte Positionen) und übernimmt alle weiteren Einziehungsrisiken. Der Gläubiger realisiert einen sofortigen (wenn auch reduzierten) Liquiditätszufluss und bucht den Restbetrag als Forderungsausfall aus.
Nicht für Sie: Wann der Forderungsverkauf kontraproduktiv ist
✕ NICHT FÜR SIE — WANN FORDERUNGSVERKAUF KONTRAPRODUKTIV IST
✕
Forderungen mit schlechter Dokumentation
Ohne klare Bestelldokumentation, Liefernachweise und Rechnungsgrundlagen wird der Kaufpreis massiv unter den Erwartungen liegen. Vor dem Verkauf lohnt sich die Dokumentationsaufbereitung.
✕
Forderungen aus bestrittenen Lieferungen
Ein Käufer, der eine streitige Forderung kauft, preist das Prozessrisiko ein. Der Kaufpreis fällt entsprechend. Klarer ist es, den Streit zunächst beizulegen.
✕
Forderungen kurz vor der Verjährung
Viele Käufer kaufen keine Forderungen, bei denen weniger als 6 Monate bis zur Verjährung verbleiben, oder kaufen nur mit drastischem Abschlag. Eskalation ist hier die bessere Option.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Factoring und Forderungsabtretung?
Forderungsabtretung ist der übergeordnete zivilrechtliche Begriff für jede Übertragung einer Forderung auf einen Dritten. Factoring ist ein konkretes Finanzierungsprodukt, bei dem Forderungen laufend an einen Factor abgetreten werden. Jedes Factoring ist eine Forderungsabtretung; nicht jede Abtretung ist Factoring.
Wie hoch ist der typische Abschlag beim Forderungsverkauf?
Für B2B-Forderungen mit guter Dokumentation, die unter 12 Monate alt sind, liegt der Kaufpreis typisch zwischen 40 und 80 Prozent des Nennwerts. Bei älteren oder schlecht dokumentierten Positionen fällt der Preis auf 10 bis 40 Prozent.
Eine notleidende B2B-Forderung, die intern nicht einzuziehen ist, gehört in eine professionelle Bewertung. Fall einreichen für eine Fallbewertung innerhalb eines Werktags.